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Wolfgang Müller-Jakob lebt und arbeitet in München, wo er 1964
geboren wurde. 1996 machten "Bilder aus der Spielbank", die er
dem Inneren des Kasinos in Garmisch-Partenkirchen abgewonnen hatte, auf
die atmosphärische Dichte seiner Bildfindungen aufmerksam. Seit 1992
stellt der produktive junge Maler mindestens einmal jährlich aus; in
der Galerie am Savignyplatz kaufen auffallend häufig auch Malerkollegen
seine Bilder. Szenen am Rande sind seine Spezialität.
SZENEN AM RANDE
Von Wolfgang Müller-Jakob gibt es Bilder im Freien, aber vor allem
beschäftigen ihn Innenräume, die sich thematisch den drei Bereichen
eines Hauses zuordnen lassen. Im Keller die Unterwelt, düster-gleißende
Spielhöllen mit ausgeleuchteten Spieltischen und schemenhaften Menschen,
beherrscht von erhöht sitzenden Rhadamanthys-Figuren, den Aufsicht
führenden Croupiers. Im Parterre finden die alltäglichen Beziehungsdramen
auf engstem Raum statt, die sich zu mehrfigurigen Wochenendparty-Bildern
ausweiten können. In höheren Regionen residiert die Justiz, eine
Männergesellschaft, deren Schwarz zum Tageslicht aus großen Fenstern
oder schwebenden Neonröhren kontrastiert: hell muß es sein, soll
der Ernst des Gesetzes zur Geltung kommen.
Der Maler arbeitet nach Bleistiftzeichnungen vom Ort des Geschehens und
erreicht auf dieser bescheidenen Grundlage eine starke Raumwirkung auf seinen
Bildern. Die Räume sind stärker als die Menschen, aber ihre Anwesenheit
macht diese Interieurs intensiv. Die Körpersprache der Figuren ist
prägnant, die Gesichter jedoch wirken wie mit durchsichtigen Strümpfen
maskiert. Hier ist Magie im Spiel. Traumhaftigkeit und die genau beobachtete
Realität eines modernen Krankenhauses oder Gerichtssaales gehen ineinander
über. Es entsteht ein Schwebezustand, und nach kurzer Zeit kann der
Betrachter nicht mehr unterscheiden, ob er selbst die Szene erlebt oder
ob der Maler etwas zeigt, eine Geschichte erzählt, so subtil, daß
man sicher ist, nicht von selbst darauf gekommen zu sein.
Müller-Jakob konfrontiert nicht mit einem Thema. Szenen am Rande unterlaufen
das Alltagsbewußtsein und führen zu einem Zustand freischwebender
Aufmerksamkeit, der es erlaubt, das Aufderhandliegende, aber Verdrängte
wahrzunehmen. Seine Bilder wirken suggestiv durch den schnörkellosen
Umgang mit dem Dargestellten; es gehört zu ihren Vorzügen, daß
ihr Maler der Versuchung widersteht zu zeigen, was er kann, und auf Zutaten
verzichtet.
Friedrich Rothe |